Ruth Priese
Ruth Priese     Körper- und systemisch orientierte Begleitung von kleinen und grossen Menschen

                                                                  MEINE ARBEITSWEISE 


Wichtige Orientierungen, denen ich mich verpflichtet fühle, hat Claudia Köhler auf ihrer web-seite www.lebens-wandel.net unter "Beschreibung der Arbeit" so gut dargestellt, dass ich warm empfehle, auch diesen ihren Text zu lesen.

Werden Babys nach einer belasteten Zeit im Mutterleib, nach einer schweren Geburt, nach frühen Trennungen von ihren Eltern und/oder anderen Formen von erlittener Einsamkeit oder Gewalt einfühlsam begleitet, so können sie sich in der Regel erstaunlich schnell von den Nachwirkungen schwieriger Erlebnisse befreien. Je jünger sie sind, umso weniger fest sind ihre Schutzmechanismen gegenüber einer Erinnerung an zu grossen Schmerz, umso offener, empfänglicher und dankbarer sind sie für eine verständnisvolle Begleitung. Das ist ein grosser Unterschied zu uns Erwachsenen, die wir oft über Jahrzehnte hinweg – unbewusst – bestimmte Überlebensstrategien entwickelt und eingeschliffen haben, die es uns schwer machen, uns zu öffnen und Unterstützung anzunehmen.






Die Weise meiner Begleitung geht von dem Wissen und den Erfahrungen über unser Körpergedächtnis aus (siehe unter: »Selbsterfahrungsseminare für Erwachsene«)
Die Babys zeigen uns mit ihren Bewegungen, ihren Gesten, ihrer Mimik, ihren Lauten und anderen Ausdrucksweisen, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Ich bin davon fest überzeugt, dass sie sich ebenso wie wir Erwachsenen danach sehnen, dass es einen oder mehrere Zeugen gibt, der oder die anerkennt, was ihnen/uns geschehen ist. Ich nehme also das, was sie uns zeigen, mit Worten und solchen Berührungen, die sie gerade annehmen können, möglichst verständnisvoll auf. D.h. ich bezeuge, was ich sehe, höre und in mir fühle. Wenn ich Worte finde, die auf ihren stimmlichen, mimischen und körperlichen Ausdruck, ihr Erleben in der Vergangenheit zutreffen, dann entspannen sich die kleinen Menschen – oft ( – nicht immer – ) nach langem schmerzlichem, wütendem oder gequälten Weinen – und schauen uns in der Regel zutiefst dankbar an.

Die meisten von uns Erwachsenen haben als Babys solche Begleitung nicht erfahren. Unser Körpergedächtnis aber hebt alle unsere Erfahrungen auf, sodass auch unsere Bewegungen und Gesten, unsere Mimik und unsere Worte, unser Tonfall und unsere Gefühle immer noch genau das ausdrücken, was wir brauchen, was wir fürchten und wovon wir uns befreien möchten (siehe auch unter: »Selbsterfahrungsseminare«).

Von zentraler Bedeutung in meiner Arbeit ist, dass wir immer zuerst gemeinsam herausfinden, was mir selbst sowie einem kleinen oder grossen Menschen neben mir so richtig gut tut und mir/ihm und seinen Eltern Kraft gibt, um darauf beim Kontakt mit schmerzlichen Erinnerungen immer wieder zurück zu kommen. Das ist bei Babys oft eine bestimmte Weise des Gehalten- oder Berührt- Werdens. Für uns Erwachsene ist uns Wohltuendes so unterschiedlich, wie wir Menschen sind. Manches Mal ist es das einfache Achten auf unseren Atem, auf ein bequemeres Sitzen oder Liegen – auf den Himmel, die Erde, die Schönheit der Pflanzen und Tiere, den Horizont und die Unendlichkeit. Manchmal braucht es lange Zeit und viel Mühe, um herauszufinden, was entspannt oder uns Spass macht. Manchmal liegt die im Moment scheinbar einzige Kraftquelle in der Erinnerung an einen glücklichen Moment in der Vergangenheit. Manchmal erinnern wir uns gemeinsam daran, dass »ich es geschafft hatte, ins Leben zu kommen«. Manchmal legen wir ein Kissen als Symbol für einen Menschen neben oder hinter uns, der uns Kraft gibt oder früher gestärkt hatte.
Es kommt vor, dass der Ausdruck eines Menschen aus seiner individuellen Geschichte heraus nicht verständlich wird. Dann bitte ich die Betroffenen oder die Eltern eines Babys, Stühle oder Kissen für wichtige, meist ausgeschlossene oder verachtete Personen in Ihrer Herkunftsfamilie und Sippe nach ihrer Intuition hinzulegen oder aufzustellen.
Das entspricht dem »Familienstellen«. Dabei werden dann oft alte Verstrickungen der Eltern mit ihren Herkunftsfamilien sichtbar, die das Kind schwer belasten können. Und ich bitte die Eltern oder die Betroffenen, z.B. Verachtete oder Totgeschwiegene der Familien zu würdigen, sich ------ gegebenenfalls von ihnen innerlich zu verabschieden oder Anderes –. Dem Kind versuchen wir dann, so glaubwürdig, wie es uns möglich ist, zu sagen: »das Problem brauchst Du nicht zu tragen, Du bist nur das Baby. Das machen die Grossen allein – !«


Redebeitrag während des Fachtages des „Netzwerkes rund um die Geburt“
im Bezirk Berlin-Marzahn-Hellersdorf und des Vivantes Klinikum Hellersdorf am 16. Mail 2014 unter dem Thema „Risikofaktoren für die prä-, peri- und postnatale Bindungsentwicklung und mögliche Interventionen“



zum Seitenanfang